Glauben und Wissen

Klima-"Skeptiker"

”[…] der menschgemachte Klimawandel ist längst keine Meinung mehr, er ist wissenschaftlich nach derzeitigem Kenntnisstand gesicherte Tatsache, und mit den “Skeptikern” in der Klimaforschung ist es so, um zum Ausgangspunkt zurückzukommen, wie mit den Kreationisten und der Evolutionstheorie. Es wäre daher gut, die Medien würden sie auch ebenso behandeln. So lange dies nicht so ist, können Scharlatane wie Miersch und Maxeiner gut davon leben und ihre kruden Theorien in Artikel-, Interview- und vor allem Buchform prima absetzen.”

aus: Climategate und die Achse des Blöden

Nachträge

  • Am 14.6. waren Vocaldente und am 12.7. Füenf jeweils um 18:00 Uhr bei “Sonntags ans Schloß”. Beides gut, aber Füenf deutlich besser.
  • Unser neues Auto ist da. Und es hat eine noch neuere Fahrertür.
  • Ich war Kandidat der Piratenpartei zur Bundestagswahl. Wir haben verloren ;-)
  • Charles Darwins Entstehung der Arten hatte Geburtstag. Aber er selbst hatte das ja auch schon dieses Jahr. Daher nur nochmal kurz:
    • Ja, Darwin hat die Evolutionsbiologie begründet, aber seither hat es viele wissenschaftliche Fortschritte gegeben, ist ja auch was her. Wer glaubt, kritisieren zu müssen, sollte diese Fortschritte bitte auch beachten.
    • Darwin hat einen Mechanismus gezeigt, wie sich ohne lenkenden Einfluss die Artenvielfalt entwickelt hat. Auf die Frage “muss man dass immer entweder oder sehen? Können die Arten nicht voneinander abstammen, aber Gott hat da gelegentlich lenkend eingegriffen?” kann man daher nur sagen: Ja - entweder Darwin hat Recht und ich brauche für die Artenentstehung keinen Gott. (Und wenn es ihn gibt und er eingegriffen hat, dann hat er so eingegriffen, dass man davon nichts merkt. Wozu dann das, war ihm langweilig?) Oder: Man sagt das Darwin Unrecht hat. Womit wir zu der Forschung der letzten 150 Jahre zurückkämen.
    • Darwin hat nicht gezeigt, wo überhaupt das erste Leben hergekommen ist, oder die Erde oder das Universum oder die (tatsächlich oder vermeintlich) so toll auf unsere Entstehung hin optimierten Naturkonstanten. Aber er hat bei einem Thema gezeigt, von dem bis dahin alle glaubten, dass schiere (vermeintliche) Unerklärbarkeit nicht ein Beleg für ungenügendes Wissen, sondern ein Beweis für Gott sei, dass es trotzdem eine natürliche Erklärung gibt. Das ist kein Beweis, dass dies bei allen anderen Problemen, genauso ist, aber es ist eine große Mahnung, fehlendes Wissen nicht für einen Gottesbeweis zu halten.
  • Ich twitter. Oder twittere? Wie auch immer: http://twitter.com/jnfingerle

Religionsfreiheit

Die US-amerikanische National Organization for Marriage setzt sich konsequent für Religionsfreiheit ein, soll heißen: Jeder soll das Recht haben, Christ zu sein, so wie es die National Organization for Marriage versteht. Konsequenter Weise darf es also auch keine Schwulenehen geben, denn wenn schwule Heiraten dürfen, dann werden dadurch ja natürlich die religiösen Freiheiten von heterosexuellen Ehepaaren eingeschränkt: Sie müssten miterleben, wie andere Leute sich nicht an eine Sammlung von ~2000 Jahre alten Texten halten. Wem das nicht einleuchtet, der kann sich einen entsprechenden Werbespot ansehen, der mit entsprechenden Kommentaren seit einem halben Monat nicht nur durch amerikanischen Medien, sondern auch entsprechend Kommentiert durch die Blogs geistert.

Soviel zum Hintergrund, hier und jetzt möchte ich zwei Parodien wärmstens Empfehlen. Viel Spaß!

Frohe Ostern!

Frohe Ostern!

Zur angemessenen Feier des Tages hier noch ein Link auf Jesus and Mo …

Der Nutzen von Styropor

Zum Thema Fahrrad-“Helme” habe ich mich ja vorher schon geäußert. Kurz: Ich halte nichts davon. Eine hohe freiwillige Tragequote könnte nur eines Tages als “Akzeptanz” gewertet werden und von Politikern, die lieber so tun, als würden sie ein Symptom bekämpfen, als dass sie sich des eigentlichen Problems (durch Erhöhung der Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer, z. B. durch flächendeckendes Tempo 30 in Städten) annehmen, zu einer Helmpflicht genutzt werden. Damit würde dann vermutlich weniger radgefahren und dadurch die Unfallgefahr steigen (je mehr Radfahrer unterwegs sind, desto eher rechnen andere Verkehrsteilnehmer mit ihnen). Wenn denn diese Styroporkappe wenigstens einen Nutzen hätte — aber, wie oben schon verlinkt, davon gehe ich nach Sichten der verfügbaren Informationen nicht aus.

Nundenn, es ist inzwischen einige Zeit her, dass in einer entsprechenden Diskussion eine Freundin meinte, dass sie lieber einen Helm trage; der werde unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie empfohlen, und die müßten doch wissen, warum sie das tun.

Ich muss zugeben: Irgendwie hat sie Recht: Eigentlich müßten die wissen, was sie tun. Nun sind Ärzte — auch Neurochirurgen — keine Verkehrs- oder Unfallforscher. Sie bekommen in ihrer beruflichen Praxis ein Zerrbild der Unfallgeschehen in der realen Welt mit, da sie nur die Fälle mit Verletzungen zu Gesicht bekommen. Sie wissen per se erstmal nicht, wie der Anteil der radhelmtragenden Patienten zum Anteil im normalen Verkehrsgeschehen steht. Sie wissen per se erstmal nicht, ob Menschen, die freiwillig einen Radhelm aufsetzen, aus anderen sozialen Gruppen kommen oder sich auch in anderen Dingen anders verhalten als Menschen, die genauso freiwillig darauf verzichten. Sie können auch — ohne entsprechende Maßnahmen — nicht verhindern, dass ihre eigene Erwartungshaltung den Blick für die Fakten vernebelt. Das heißt aber natürlich nicht, dass man sich als Arzt nicht wissenschaftlich sauber mit diesen Themen auseinandersetzen könnte, mit Statistiken, welche diese Art von Fehlern vermeiden, mit Blind-, Doppelblind und Dreifachblindverfahren. Und wenn die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie Radhelme empfiehlt, dann wird sie das ja wohl getan haben. Und da es sich um Neurochirurgen handelt, wird es wohl auch nicht um Platzwunden oder ähnliche oberflächliche Verletzungen gehen, sondern um das, was die meisten Helmträger versuchen, mit ihrem Helm zu verhindern: Hirnschäden.

Also, die Anmerkung hat mich dann doch interessiert. Auf den ersten Blick war es gar nicht so einfach, diese Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie überhaupt in freier Wildbahn nachzuweisen. Aber nach etwas Suchen konnte ich dann finden, dass die Empfehlung offensichtlich bei der Jahrestagung 2007 ausgesprochen und an die Presse gegeben wurde. Und außerdem war es keine Empfehlung, sonder die Forderung nach einer Helmpflicht. Nundenn, umso stichhaltiger müssten ja die wissenschaftlichen Grundlagen sein. Die Forderung wurde vom damaligen stellvertretenden Vorsitzenden Prof. Andreas Unterberg aufgestellt, der heute den Vorsitz der der Gesellschaft hat. Am 30.01.2009 wollte ich es also von der Geschäftsstelle der Gesellschaft genau wissen:

[...]

Ich gehe davon aus, dass Sie das auf der Basis solider Zahlen
gefordert haben, und möcht Sie deshalb bitten, ob Sie mir vor
diesem Hintergrund folgende Fragen beantworten können bzw. mir
die von Ihnen benutzte Informationsquelle nennen können, so
dass ich hier selbst weiter nachforschen könnte:

 *) Welchen Anteil and den 300.000 jährlichen Schädel-Hirn-Trauma-
    Patienten haben Radfahrer? Wie sieht dies mit den 15.000 Patienten
    aus, die auf einer Intensivstation versorgt wurden bzw. mit den
    30-40%, die versterben?

 *) Wie teilen sich im Vergleich die verbleibenden Patienten
    auf (andere Verkehrsarten, Haushalt, ...)?

 *) Haben Sie Zahlen, die diese Gesamtzahlen auf die Expositionszeit
    beziehen (also eine Unfalleintrittswahrscheinlichkeit pro
    Expositionszeit angeben)? Wie unterscheidet sich hier das Risiko
    von Radfahrern gegenüber dem anderer Gruppen, insbesondere bei
    den Intensivbehandlungen und Todesfällen?

 *) Welche Unterschiede ergeben sich durch die Verwendung von
    Radhelmen, in welchem Umfang und bei welchen Unfallschweren
    gibt es durch diese eine Schutzwirkung?

 *) Wie kann bei evtl. zu beobachtenden Schutz-Effekten
    ausgeschlossen werden, dass diese aus unterschiedlichen
    Teilpopulationen resultieren (dass z. B. Helmträger per se
    sicherheitsbewußter sind und insgesamt weniger Risiken
    eingehen - gibt es z. B. Zahlen, dass bei den betrachteten
    Teilpopulationen die Verletzungwahrscheinlichkeit und
    -schwere an anderen Körperteilen, die "unbehelmt" sind,
    nicht signifikant unterschiedlich sind)?

[...]

Zugegeben: Die Fragen waren etwas detailliert. Andererseits dürfte man bei diesem Thema davon ausgehen, dass es eine Standardantwort gibt, die so eine Geschäftsstelle — und wenn nicht die, dann der Herr Professor selbst — durch kopieren und einfügen in einfacher Weise verschicken kann. Nun, gerade einmal gut zwei Monate und eine handvoll Nachfragen später habe ich dann auch eine Antwort bekommen:

Herr Professor Unterberg hat mir vor kurzem mitgeteilt, dass er keine 
Anfragen mehr zum Thema "Helmpflicht..." beantworten kann.

Schade. Wobei unklar bleibt, ob das Nicht-beantworten-Können auf mangelnden Willen oder ein Unvermögen hinweist.

Nun, ich habe diese Antwort als Anlaß genommen, noch einmal ein wenig das Netz zu durchsuchen. Und tatsächlich bin ich fündig geworden. Und damit meine ich nicht, dass sich die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie schon 2007 nicht mehr zu ihrer Forderung äußern wollte. Nein: Im Jahr 2004 wurde auf der 55. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie tatsächlich eine Studie zu Radhelmen vorgestellt. Das Ergebnis: “There was no significant difference concerning the level of head-trauma due to bicycle accident between cyclists wearing a helmet and others.” (“Es gab keinen signifikanten Unterschied bzgl. der Stärke des Kopftraumas aufgrund von Fahrradunfällen zwischen Radfahrern, die einen Helm trugen, und anderen.”)

 

Eine Frage bleibt aber leider nach der ganzen Zeit unbeantwortet: Warum spricht sich die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie für eine Fahrradhelmpflicht aus?

Drogen, Kinderporno, Kruzifixe

Lebensechte Darstellungen, die Menschen bei einem langsamen Foltertod zeigen, widersprechen dem Wertekonsens unserer auf einem friedlichen Miteinander beruhenden Gesellschaft und gehören geächtet. In ihren schädlichen Auswirkungen stehen sie auf einer Stufe mit Drogen und Kinderpornografie, deren Verbot zurecht niemand infrage stellt. (frei zitiert nach Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, zitiert nach law blog, dort zitiert nach Golem und aus der Pressemitteilung)

Nur zur Sicherheit: Das ist kein Argument gegen Kruzifixe, aber wer hier Ikonographie als Erklärung zulässt, sollte dies auch an anderen Stellen tun.

Pro Menschenverstand

Vielleicht gibt die katholische Kirche tatsächlich ein zu leichtes und zu dankbares Objekt der Kritik ab — und ich verwende hier bewußt nicht das Wort Opfer. Aber intolerantes Verhalten beschränkt sich nicht nur auf diese. Und hier würde fast schon der Hinweis auf die Evagelikalen reichen, die nicht irgendeine Splittergruppe sind, sondern immer mehr Einfluss in den evangelischen Landeskirchen gewinnen, statt dass sie rausgeschmissen würden, die Mehrheit will sie also offensichtlich mit im Verein haben.

Schlimm wird es aber, wenn beide sich zusammentun und sich in die Verfolgtenrolle begeben: In Berlin (wie auch in Brandenburg) gibt es ein ganz normales Schulfach namens “Ethik”. Dieses wird nicht — wie in anderen Bundesländern — als Strafe denjenigen verordnet, die es wagen, keinen Religionsunterricht zu wünschen, sondern es ist ein Fach für alle Schüler. In einer gemeinsamen Gesellschaft, mit gemeinsamen grundlegenden Normen, die in einem gemeinsamen Grundgesetz festgelegt sind und von einem gemeinsamen Verfassungsgericht ausgelegt werden, ist es aber sicher sinnvoll, dass auch Schüler sich gemeinsam über Ethik austauschen, verschiedene Herleitungen ethischer Grundsätze kennenlernen und gerade von den Ansätzen, die sie nicht aus ihrem Elternhaus kennen, etwas lernen. Umsomehr gilt dies in einer multikulturellen Stadt wie Berlin, in der die gemeinsamen grundlegenden Normen nicht aus dem Nichts entstehen.
Neben diesem für alle verpflichtenden Fach gibt es noch Religion als Wahlfach, sprich: Ein freiwilliger, zusätzlicher Religionsunterricht findet statt.

Nun gibt es also ein kirchliches Bündnis mit dem Namen Pro Reli, dass es ablehnt, dass Kinder, die am Religionsunterricht teilnehmen, auch verpflichtend zum Ethikunterricht gehen müssen. Ein vollwertiger Ersatz dazu, eine Sicht auf die Gesamtgesellschaft zu bekommen, soll es also sein, mit von den Kirchen ausgesuchten Lehrern einen De-facto-Bekenntnisunterricht zu besuchen. In der Werbung für die eigene Sache stilisiert man dies zur Freiheit hoch. Anatol Stefanowitsch analysiert sehr schön in drei Artikeln, wie unredlich die Werbekampagne dazu abläuft.

Also: Hier geht es nicht um Freiheit. Alle Kinder, die freiwillig an Religionsunterricht teilnehmen möchten (wobei “freiwillig” bei jüngeren Schülern nicht den Willen der Schüler, sondern den der Eltern bezeichnet), bekommen diesen zu guten Teilen sogar aus allgemeinen Steuermitteln gesponsort. Aber in einer freien Gesellschaft sollten auch Kinder aus religiösen Gemeinschaften die Chance bekommen zu lernen, dass gewisse grundlegende Normen alles andere als ein Alleinstellungsmerkmal ihrer Religion, ihrer Weltanschauung sind, sondern andere Religionen, Atheisten, Pan-Theisten, Deisten und wen es noch alles gibt gar nicht so anders sind. Und wenn Religionsgemeinschaften dann Ihre Felle davonschwimmen sehen, dann ist das viel, aber mit Sicherheit nicht die Schuld des Staats.

Menschenhass

Ein Mädchen, neun Jahre, wird seit drei Jahren mißbraucht. Vom Stiefvater. Im Alter von neun Jahren ist es mit Zwillingen schwanger. Würde sie die Kinder auszutragen versuchen, würde sie selbst in Lebensgefahr geraten. Man muss Abtreibung nicht für ein normales Mittel der Familienplanung halten, um hier gleich mehrere Gründe zu finden, warum eine Abtreibung hier sinnvoll ist — und folglich ist es auch das, was in diesem Fall geschieht. Wenn es einen Moment gibt, in dem Mutter und Tochter Hilfe und Zuspruch nötig haben, dann in diesem. Folglich … exkommuniziert die Katholische Kirche Mutter und beteiligte Ärzte.

Ja, in jeder Organisation gibt es Idioten. Aber wenn ein Erzbischoff Menschen, die gerade besonders hilfsbedürftig sind, aus seinem Verein rauswirft, dann muss sich die Katholische Kirche als Organisation das zurechnen lassen. Und bisher habe ich auch noch nirgends gelesen, dass der alte Mann aus Rom sich gegen diesen praktizierten Menschenhass gewandt hätte. Naja, der ist ja auch damit beschäftigt, sich mit der Pius-Bruderschaft zu versöhnen.

Naja, ich bin auf jeden Fall froh, dass ich mein Wertesystem nicht aus einem Bronzezeitlichen Kult ableite.

Keine Macht den Theologen

Arno Widmann ist für die Abschaffung der theologischen Fakultäten. Mit guten Gründen. (gefunden über Brightsblog)

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