Freiheit

Auf den Punkt gebracht ...

Vielleicht merken Print- und Privatfernsehlobbyisten gar nicht, dass sie damit den öffentlich-rechtlichen Sendern eine neue Legitimationsgrundlage schaffen.

Denn wenn das Geschäft mit der Information für private Medien wirklich so schwierig ist, gibt es für den Staat zwei Möglichkeiten, um dafür zu sorgen, dass seine Bürger gut informiert werden. Die eine ist die, alles dafür zu tun, um den Verlagen und Privatsendern das Leben zu erleichtern, in der Hoffnung, aber ohne Gewähr, dass es reicht. Die andere ist die, die öffentlich-rechtlichen Sender zu stärken und ihnen ein Leben in der digitalen Welt zu erlauben.”

aus: Das Elend der Debatte um ARD und ZDF

Nachträge

  • Am 14.6. waren Vocaldente und am 12.7. Füenf jeweils um 18:00 Uhr bei “Sonntags ans Schloß”. Beides gut, aber Füenf deutlich besser.
  • Unser neues Auto ist da. Und es hat eine noch neuere Fahrertür.
  • Ich war Kandidat der Piratenpartei zur Bundestagswahl. Wir haben verloren ;-)
  • Charles Darwins Entstehung der Arten hatte Geburtstag. Aber er selbst hatte das ja auch schon dieses Jahr. Daher nur nochmal kurz:
    • Ja, Darwin hat die Evolutionsbiologie begründet, aber seither hat es viele wissenschaftliche Fortschritte gegeben, ist ja auch was her. Wer glaubt, kritisieren zu müssen, sollte diese Fortschritte bitte auch beachten.
    • Darwin hat einen Mechanismus gezeigt, wie sich ohne lenkenden Einfluss die Artenvielfalt entwickelt hat. Auf die Frage “muss man dass immer entweder oder sehen? Können die Arten nicht voneinander abstammen, aber Gott hat da gelegentlich lenkend eingegriffen?” kann man daher nur sagen: Ja - entweder Darwin hat Recht und ich brauche für die Artenentstehung keinen Gott. (Und wenn es ihn gibt und er eingegriffen hat, dann hat er so eingegriffen, dass man davon nichts merkt. Wozu dann das, war ihm langweilig?) Oder: Man sagt das Darwin Unrecht hat. Womit wir zu der Forschung der letzten 150 Jahre zurückkämen.
    • Darwin hat nicht gezeigt, wo überhaupt das erste Leben hergekommen ist, oder die Erde oder das Universum oder die (tatsächlich oder vermeintlich) so toll auf unsere Entstehung hin optimierten Naturkonstanten. Aber er hat bei einem Thema gezeigt, von dem bis dahin alle glaubten, dass schiere (vermeintliche) Unerklärbarkeit nicht ein Beleg für ungenügendes Wissen, sondern ein Beweis für Gott sei, dass es trotzdem eine natürliche Erklärung gibt. Das ist kein Beweis, dass dies bei allen anderen Problemen, genauso ist, aber es ist eine große Mahnung, fehlendes Wissen nicht für einen Gottesbeweis zu halten.
  • Ich twitter. Oder twittere? Wie auch immer: http://twitter.com/jnfingerle

Religionsfreiheit

Die US-amerikanische National Organization for Marriage setzt sich konsequent für Religionsfreiheit ein, soll heißen: Jeder soll das Recht haben, Christ zu sein, so wie es die National Organization for Marriage versteht. Konsequenter Weise darf es also auch keine Schwulenehen geben, denn wenn schwule Heiraten dürfen, dann werden dadurch ja natürlich die religiösen Freiheiten von heterosexuellen Ehepaaren eingeschränkt: Sie müssten miterleben, wie andere Leute sich nicht an eine Sammlung von ~2000 Jahre alten Texten halten. Wem das nicht einleuchtet, der kann sich einen entsprechenden Werbespot ansehen, der mit entsprechenden Kommentaren seit einem halben Monat nicht nur durch amerikanischen Medien, sondern auch entsprechend Kommentiert durch die Blogs geistert.

Soviel zum Hintergrund, hier und jetzt möchte ich zwei Parodien wärmstens Empfehlen. Viel Spaß!

Drogen, Kinderporno, Kruzifixe

Lebensechte Darstellungen, die Menschen bei einem langsamen Foltertod zeigen, widersprechen dem Wertekonsens unserer auf einem friedlichen Miteinander beruhenden Gesellschaft und gehören geächtet. In ihren schädlichen Auswirkungen stehen sie auf einer Stufe mit Drogen und Kinderpornografie, deren Verbot zurecht niemand infrage stellt. (frei zitiert nach Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, zitiert nach law blog, dort zitiert nach Golem und aus der Pressemitteilung)

Nur zur Sicherheit: Das ist kein Argument gegen Kruzifixe, aber wer hier Ikonographie als Erklärung zulässt, sollte dies auch an anderen Stellen tun.

Keine Macht den Theologen

Arno Widmann ist für die Abschaffung der theologischen Fakultäten. Mit guten Gründen. (gefunden über Brightsblog)

Erich sieht Deppenmail

Bayerische Verdrängungstaktik

Spiegel.de hat einen Bericht, dass Bayern sein Urheberrecht an Texten aus der Nazi-Zeit nun nicht nur dafür verwendet, die historische Aufarbeitung von Hitlers “Mein Kampf” zu erschweren, sondern nun auch das Projekt Zeitungszeugen — eine historische Aufarbeitung der Presse des dritten Reiches — anwendet.

Es kann mir niemand verkaufen, dass die Bayerische Landesregierung wirklich nicht den Unterschied zwischen blindem Nachdrucken und historischer Aufarbeitung versteht. Aber anscheinend gibt es das Menschenbild der zuständigen nicht her, dass es sinnvoll ist, wenn sich interessierte Menschen selbst anhand von sachkundigen Kommentaren, aber eben auch von Originalquellen, ein Bild machen können.

Staatskirchenrecht auf dem Prüfstand

Das Brights-Blog verweist auf einen Beitrag auf domradio.de. Dieser entspricht zwar vom Zungenschlag nicht wirklich meiner Meinung, das Thema an sich ist aber interessant: Es besteht eine ernsthafte Chance, dass der Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte feststellt, dass Kirchen nicht beliebig diskriminieren dürfen.

Keine Frage: Von einem Pastor erwarte ich, dass er an die Geschichten, die er im Auftrage seines Arbeitgebers erzählt, auch glaubt — genauso wie von einem Pressesprecher einer Gewerkschaft oder Partei. Aber bei den vielen Arbeitsplätzen, die es in Kirchen gibt, die nichts mit der Verbreitung der kirchlichen Lehre zu tun haben, gibt es keinen Grund, warum die Kirchen sich hier diskriminierender und unmenschlicher als “normale Arbeitgeber” verhalten dürfen. Vor dem Hintergrund, dass Religion häufig als der Weg, ein besserer Mensch zu werden, verkauft wird, ist es sowieso widersinnig, dass die Kirchen diese menschenverachtenden Sonderrechte nicht von sich aus ablehnen.

Persönliche Freiheitsrechte zählen halt nicht, wenn man seine Seele an den kirchlichen Arbeitgeber verkauft hat. — Wollen wir hoffen, dass Straßburg da einen Riegel vorschiebt und nicht wie der deutsche Staat noch einmal heftig nachtritt.

Vikar gegen sinnlose Gewaltdarstellung

In England hat sich ein Vikar aktiv gegen die sinnlose Darstellung von Gewalt eingesetzt. Nur mit seinen Kirchenmitgliedern hat er nun leider Ärger bekommen, da es sich bei der “entsetzlichen Darstellung von Schmerz und Leid” um eine Jesus-am-Kreuz-Darstellung handelte.

Ich halte ihn (den Vikar, nicht den Jesus) auf jeden Fall für einen der wenigen Menschen, die glaubwürdig (wenn auch nicht meiner Meinung entsprechend) gegen Ego-Shooter argumentieren können …

Inhalt abgleichen